Robotos Tod (Eine Masters of the Universe Kurzgeschichte)

Read the English version of this short story.

Roboto steckte die Laserkanone auf seinen mechanischen Arm auf. Ein kurzer Signalton bestätigte die korrekte Arretierung der Waffe. Die Ladestand-LED leuchtete auf. Robotos Visier klappte herunter. Mit schnellen, präzisen Schritten schritt er aus dem Raum. Es war Zeit für einen Kontrollgang. Aufgrund des hohen Krankenstands von Teelas Palastwache hatte sich der mechatronische Krieger bereit erklärt, eine Schicht zu übernehmen.

Roboto trat durch Eternis‘ Stadttor. Kurz vor Eternias Hauptstadt begann der Dschungel. Roboto schritt die Palastmauern entlang. Während er voranschritt, drehten sich die mechanischen Räder in seinem transparenten Körper im Uhrzeigersinn. Plötzlich hörte er ein Geräusch. Es kam aus dem Wald. Seine Laserkanone im Anschlag ging Roboto langsam auf den Waldrand zu. Plötzlich umklammerte eine riesige Zange Robotos Waffe und riss diese ruckartig aus ihrer mechanischen Armverankerung. Funken sprühten, als die Kanone auf den Boden fiel. Zugleich schoss eine zweite Zange aus dem Gehölz und packte Roboto am anderen Arm.

Roboto wollte sich losreißen und schaltete in den Modus Gefahrenabwehr. Dies sollte seine Kraft verdreifachen. Doch sein Gegner war schneller. Und kam nun zum Vorschein: Zwei Köpfe tauchten aus dem Wald auf. Acht Beine. Vier Arme. Es war Multi-Bot, der Dämonenroboter der Wilden Horde.

„Haben wir Dich“, riefen zwei mechanische Stimmen gleichzeitig. Beide von Multi-Bots Köpfen redeten simultan. Während er mit seinen zwei Zangenarmen Roboto weiter festhielt, teilte sich das mechanische Monster. Die zweite Körperhälfte stellte sich direkt hinter Roboto. Er holte einen Scanner aus seiner Tasche und setzte diesen direkt an Robotos Helm an. „Schlaf gut“, lachte Multi-Bot. Dann schlug ein blauer Blitz aus dem Scanner. Robotos Schaltkreise wurden blockiert und sein System zum Runterfahren gezwungen. Er konnte nichts tun. Roboto war offline.

– – – Standby. – Reboot. – Diese Statuszeilen tauchten in Robotos Visier auf. Sein System hatte sich wieder notgestartet. Als er im abgesicherten Modus hochgefahren war, drehte Roboto seinen Kopf. Er war in einem Labor der Fright Zone. Im Unterschlupf von Hordaks Truppe sah es düster aus. Grüne, vermoderte Felsbrocken, ein verwitterten alter Baum am Gipfel des Steingemäuers. Gespenstische Stille.

Roboto wollte aufstehen. Doch was war das? Er sah an sich runter. Er konnte sich nicht bewegen. Seine mechanischen Arme und Beine waren demontiert. In diesem Moment kam Multi-Bot in den Raum. „Nun, du bist wach“, schnarrte dieser. „Gut. Nun sag mir Dein Geheimnis.“ „Mein Geheimnis?“ Roboto schaute ihn fragend an. Multi-Bots Mienen verfinsterten sich. Er fuhr ungehalten fort: „Das Geheimnis Deines Herzens und Deiner Seele. Wer hat sie Dir gegeben? Was hat Dich menschlicher gemacht? Ich muss es wissen!“

Roboto schaute das Multi-Monster an. Darum ging es also. Multi-Bot, selbst ein Roboter-Wesen, wollte menschlicher werden. Interessant, dachte Roboto: Wahrscheinlich wollte ein böser Dämonenroboter wie Multi-Bot sein Wissen um die Menschlichkeit einsetzen, damit er die Taktik und das Verhaltens der Menschen besser einzuschätzen wusste. Das würde ihm einen Vorteil im Kampf gegen die heroischen Krieger Eternias geben.

„Niemals“, sagte Roboto entschlossen. Er dreht seinen Kopf zurück und legte ihn wieder auf die Pritsche, auf die Multi-Bot ihn gehievt hatte. Multi-Bot war außer sich. Sogleich suchte er Sägen, Bohrmaschinen und Laserschweißgeräten zusammen. Er entfernte ein Teil nach dem anderen von Roboto. Dieser merkte, wie sein Energielevel immer weiter sank. Sein System war geschädigt. Er würde es nicht mehr lange aufrechterhalten können.

Multi-Bot fuhr fort, ein Teil nach dem anderen aus Roboto auszubauen. Er demontierte die Zahnräder im Innersten, schraubte die Multiprozessoren in seinem Kopf heraus und nahm Robotos Visier ab. Nun konnte der Robotmensch nichts mehr sehen. „Sag es mir“, kreischte Multi-Bot. „Sonst zerstöre ich Dich.“ Roboto schwieg weiterhin. Wutentbrannt riss Multi-Bot das mechanische Herz aus Robotos Mitte heraus. Robotos Energiesystem sank auf 11 Prozent. Sein internes Warnsystem schaltete sich ein. „Saaaaaaaaaaaag es mir!“ Multi-Bot war außer sich vor Wut. Er durchsuchte mit einem Ionenmikroskop Robotos Schädel. Dann riss er wahllos weitere Teile aus Roboto heraus. Er brach Platinen heraus und schleuderte sie auf dem Boden. Roboto war nun im systemkritischen Bereich.

„Gut, dann eben nicht.“ Multi-Bot schaute Roboto an. Dann zog er mit einem Ruck dessen Hauptplatine aus dem Kopf. Robotos System brach augenblicklich zusammen. Stille.„Roboto ist tot. Ganz wie ein Mensch.“ Multi-Bot lachte spöttisch und verließ das Labor.

In Palast des Königs war währenddessen die Aufregung groß. Roboto war nicht von seinem Wachrundgang zurückgekehrt. Bis tief in die Nacht durchsuchte die königlichen Wachen die Umgebung des Schlosses. Mit einem Wind Raider überflog Sy-Klone die Wälder, ein Suchscheinwerfer auf die unter ihm liegenden Wälder gerichtet. Extendar fuhr seine bionischen Gliedmaßen aus. Dadurch war er nun so groß, dass er über die Wipfel der Bäume schauen konnte. Doch auch der so erreichte Überblick brachte den vermissten Freund nicht zu Tage.

Doch Extendar sah etwas anders. In der Ferne näherte sich etwas. Dieses Objekt rotierte um seine Achse und zerschmetterte dabei mit seinen Zangenarmen die Bäume, die in seinen Weg gerieten. Das Gesicht, wenn man es denn so nennen konnte, glich dem einer Teufelsfratze. Es war Monstroid, das Gefährt der Wilden Horde. Monstroid kam näher. Teela, die Wachen, Extendar und Sy-Klone sammelten sich vor den Tor der Stadt, um diese zu beschützen. Monstroid kam näher. Der Turbinenantrieb des Gefährts verursachte ohrenbetäubenden Lärm. Um das Fahrzeug herum fielen die Bäume um. Wenige Meter vor dem Stadttor stoppte das Höllengefährt.

„Eine Lieferung für Euch“, tönte es über einen Lautsprecher aus dem Innersten des Gefährts. Das klang nach der säuselnden Stimme von Mantenna, dem stieläugigen Horde-Kämpfer. Eine Klappe an der Front des Monstergefährts öffnete sich. Heraus fiel ein Arm. Ein mechanischer. Es folgten Drähte, Sensoren, Chips. Alles fiel auf den staubigen Boden. Dann folgte der Rest von Roboto. Mit weit aufgerissenen Augen starten Sy-Klone, Teela und alle anderen auf die Einzelteile ihres mechanischen Freundes.Sie hörten Mantennas dämonisches Lachen über den Lautsprecher. Monstroids Turbinen starteten wieder, das Gefährt drehte schwerfällig bei und fuhr mit ohrenbetäubendem Lärm wieder davon. Stille.

„Schnell“, rief Extendar. „Bringt ihn zu Man-at-Arms.“ Bald darauf lagen Robotos Teile in dem Labor des Waffenmeisters. Dieser war über Robotos Zustand ebenfalls aufgewühlt. „Der Prozessor ist hinüber. Keine Aktivität von der Batterie. Keine Regung im neuronalen Netz.“ Man-at-Arms schwieg. Dann sagte er leise: „Ich kann ihn nicht mehr aktivieren. Roboto ist tot.“ Schweigend brachte er die Teile wieder an Roboto an. Wohlwissend, dass dies den mechanischen Freund nicht wiederbringen würde. Dann ging er aus dem Labor.

Man-at-Arms berichtete Prince Adam, was passiert war. Dieser schaute ihn stumm an. Wortlos drehte er sich um. Adam hatte eine Idee. Die Macht von Grayskull war stark. Einen Versuch war es wert. Der Prinz ging in Man-at-Arms Labor. Dort lag Roboto. Es schmerzte Adam zu sehen, wie sein treuer Freund und Weggefährte von der Horde behandelt wurde. Aufsteigende Wut verdrängte den Schmerz. Adam zog sein Schwert. Er schaute sich um. Niemand war da. Er legte das Zauberschwert auf Robotos Brust. Dann trat er einen Schritt zurück. Leise sagte er: „Bei der Macht von Grayskull!“ Das Schwert leuchtete auf. Das Licht verwandelte sich in ein Gleißen. Der Raum wurde erfüllt von einem Strahlen. Adam fuhr fort: „Ich habe die Zauberkraft.“ Er trat einen weiteren Schritt zurück. Nie zuvor hatte er die Formel der Macht ausgesprochen, ohne das Schwert in seinen eigenen Händen zu halten.

Es passierte: nichts. Adam wartete. Immer noch nichts. Er wollte gerade das Schwert wieder an sich nehmen, da sah er etwas: eines der Zahnräder in Robotos Körper begann sich langsam zu drehen. Nur ein bisschen. Kaum wahrnehmbar. „Komm‘ schon, alter Freund“, flüsterte Adam. Wie als hätte Roboto den Prinzen verstanden, begannen nun die anderen Zahnräder in sich zu greifen. Dann hörte er etwas. Das sirrende Geräusch von Strom! Robotos Arm bewegte sich. Dann der Fuß. Roboto bootete sein System. „Bereit“ sagte eine Stimme. Roboto sprach. Und er öffnet sein Visier. „Freund!“, rief Adam erfreut. Er nahm schnell das Zauberschwert an sich.

Roboto schaute Adam an. Langsam sagte er mit schleppender Stimme: „Ich — bin —zurück“. Adam nickte zustimmend und lächelte. In diesem Moment kamen Man-at-Arms und die anderen Verteidiger Eternias in das Labor. Erfreut schauten sie Roboto an. „Aber wie?“ fragte Man-at-Arms. Adam tippte auf sein Schwert und der Waffenmeister verstand. Er kannte Adams Geheimnis.

Roboto unterdessen schritt zu seinem Waffenschrank. Er nahm die Doppelaxterweiterung  aus dem Arsenal und schloss diese an seinen Arm an. Sy-Klone schaute verwundert. „Freund“, sagte er. „Du musst ausruhen.“ „Nein“, sagte Roboto. „Es ist noch etwas zu klären.“

In der Fright Zone erzählte Mantenna unterdessen von seinem Triumph über Roboto. Er erzählte davon, wie er Robotos Teile vor den Palast geworfen hatte. Die Dämonen lachten gehässig. Leech, Dragstor und Grizzlor lachten laut auf, als sie die Geschichte hörten. Grizzlor sagte: “Hordak wird erfreut sein, wenn er wieder da ist.”

Plötzlich hörten sie ein Krachen. Gerade noch konnten die Krieger Hordaks ausweichen, da krachte der Baum des Bösen, der in Fright Zone stand, auf den Boden. Ihr Blick ging nach oben. Dort oben, wo gerade noch der mächtige Baum des Bösen gestanden hatte, war nun Roboto. Seine Doppelarmtaxt schaltete sich nun ab. Mit dieser hatte er den Baum in Sekunden gefällt. Robotos Visier fuhr herunter. „Du“ schrie Multi-Bot. „Das kann nicht sein. Ich habe Dich zerstört. Vernichtet. Du kannst nicht mehr existieren.“ Gerade wollte er sich auf Roboto stürzen, da tauchten Sy-Klone und Extendar auf. Sy-Klone begann, seine Tornadofunktion einzuschalten und drehte sich um die eigene Achse. Die Luft begann sich in einen Sog zu verwandeln. Extendar reckte sich, bis er das Dreifache seiner Größe erreicht hatte und fuhr sein Deflektorschild aus. Multi-Bot stoppte.

„Auf sie“, schrie Mantenna nach einer kurzen Pause. In diesem Augenblick donnerte es hinter der Fright Zone. Blitze sammelten sich und dunkle Wolken zogen auf. Die Horde-Krieger schauten auf die Anhöhe hinter ihrer Festung. Dort stand He-Man. Sein Schwert in den Himmel gereckt hatte er die Macht von Grayskull angerufen. Die Blitze schlugen in sein Schwert ein und tauchten ihn in gleißendes Licht. Die Horde wich zurück. Was war hier in Gange?

„Was wollt Ihr? Rache?“ fragte Multi-Bot. Für einen Roboter klang seine Stimme ziemlich angsterfüllt. Roboto kam auf ihn zu. Er stellte sich ganz dicht vor ihn. Zwischen Multi-Bot und ihn passte kein Handbreit mehr. Roboto fuhr sein Visier hoch. Seine Sichtsensoren scannten die Augen von Multi-Bots Köpfen. Ruhig sagte er: „Du suchtest nach dem Geheimnis meines Lebens. Nach meiner Seele. Meinem Herzen. Meiner Lebendigkeit. Du hast nichts gefunden. Weil man diese Dinge nicht sehen kann. Sie entstehen einzig und allein durch die Kraft des Guten. Das machte mich einst menschlich. Du wirst das niemals erreichen können.“

Mit diesen Worten drehte Roboto sich um und verließ die Fright Zone. Sy-Klone und Extendar taten es ihm gleich. Mantenna, Leech, Grizzlor und Dragstor schauten auf die Anhöhe hinter der Fright Zone. Auch He-Man war verschwunden. Sie atmeten erleichert auf.  Multi-Bot indes zischte verächtlich und schaute herab auf den Baum des Bösen, der vor ihm lag. Leblos.Wie er, der nur eine Maschine war. Und immer sein würde.

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