Marlo und das Feuer (Eine kleine Gespenstergeschichte, Teil 6)

Es war eine dunkle, kalte Nacht. Die vier Räuber froren. Sie waren in den Zauberwald gekommen, um nach Gold und Diamanten zu suchen. Sie hatten aber nichts gefunden und der Tag ging zu Ende. Es wurde dunkel. Sie mussten nun im Wald übernachten und hatten ein Lagerfeuer gemacht.

Das Lagerfeuer brannte. Die Räuber tranken Bier und Wein und sangen den ganzen Abend  lustige Räuberlieder. Weil sie so betrunken waren, kämpften zwei Räuber sogar mit ihren Säbeln gegeneinander. Jedoch hatten sie so viel Bier und Wein getrunken, dass sie die Waffen ermattet sinken ließen und sich neben dem Feuer zur Ruhe legten. Dabei hatten sie nicht bemerkt, dass ein glimmendes Holzstück aus dem Feuer gerollt war.

Das Holzstück lag auf einem Haufen alter, trockener Blätter. Dieser fing sofort Feuer und brannte in Sekunden. Doch die Räuber merkten nichts davon, da sie tief und fest schliefen. Kurz darauf brannte ein Gebüsch, dann ein Baum, dann mehrere Bäume. Nun wachten die Räuber auf und schrien laut nach Hilfe. Doch anstatt das Feuer zu löschen, liefen sie schnell aus dem Wald.

Die Tiere im Wald hatten inzwischen das Feuer bemerkt. Die Vögel zwitscherten aufgeregt, die Mäuse piepten im Erdreich und der Fuchs wedelte ganz aufgeregt mit seinem langen Schweif. Die Tiere wussten nicht, was sie tun sollten. In ihrer Tiersprache riefen sie laut nach Hilfe.

marlo_gespenst
Marlo, das kleine Gespenst.

Ein paar Kilometer entfernt spielte Marlo in seinem Haus. Das kleine Gespenst war wie immer in der Nacht wach. Gelangweilt warf er kleine gläserne Murmeln in eine alte Blechtasse. Er mochte das metallische Geräusch, wenn die Glasmurmeln das Metall trafen. Plötzlich hörte er ein leises “Hilfe, Hilfe”. Dank Marlos Zauberkraft konnte er nicht nur die Tiersprache verstehen. Nein, er hörte sie auch über eine weite Strecke hinweg. Sofort sprach er einen Zauberspruch und transportierte sich direkt in den Wald. Dort wütete das Feuer weiterhin. Der Wald brannte lichterloh.

Marlo griff sofort ein. Er sprach einen Zauberspruch aus: “Diwoda-Kiwalo-ditetzt. Bewege dich jetzt!” Als er den magischen Spruch ausgesprochen hatte, bewegten sich die Bäume. Sie schwangen hin und her. Es sah so aus, als würden sie tanzen. Mit ihren langen Ästen schlugen sie auf diese Weise auf das brennende Holz der anderen Bäume ein. Und das half: sie löschten so viele brennende benachbarte Bäume.

Doch es brannte weiter. Marlo hatte eine Idee. Er rief: “Hey, meine Krokodil-Freunde, kommt her!” Aus dem Wasser des Waldteiches kamen zugleich drei freundliche Krokodile. Sie waren blau-rot-grün, denn es waren Krokodile des magischen Waldes. Sie lächelten freundlich und zeigten dabei ihre vielen, scharfen Zähne. Marlo sprach einen weiteren Zauberspruch aus: “Daru-darei. Eimer kommt herbei!” Als er das ausgesprochen hatte, erschienen aus dem Nichts viele bunte Plastikeimer. Diese lagen nun auf dem Boden. Die Krokodile verstanden sofort. Eilig nahmen sie sich jeweils drei Eimer ins Maul und gingen mit diesen in den Teich. Mit den Eimern im Mund tauchten sie ab. Als sie nun wieder an Land kamen, waren die Eimer randvoll mit Wasser gefüllt. Sofort kamen die Waschbären herbei, nahmen den Krokodilen die Eimer aus dem Mund und begannen, das Wasser auf die brennenden Bäume zu kippen. Bald kamen noch die Bären aus dem Wald und halfen. Sie konnten noch mehr Eimer mit Wasser füllen.

5142785230_9d7c450986_b.jpg
Der Zauberwald brennt. Marlo muss schleunigst helfen!

Viele Tiere halfen so, das Feuer zu löschen. Doch die Flammen wüteten weiter und es war sehr schwer, den Brand zu löschen. Es waren einfach nicht genug Pfoten, Krallen und Tiermäuler, um die Flammen zu besiegen. Da hatte Marlo eine weitere Idee. Seine Oma, selbst ein magisches Gespenst, hatte ihm als sehr kleines Kind einen besonderen Zauberspruch beigebracht. Wie ging denn der nun gleich? Da fiel es ihm wieder ein! Marlo fing an zu sprechen: “Kuraba-sabu-la-ma-durei. Wolke komm herbei!”

Am Himmel glitzerte und funkelte es nun. Grünes Licht war zu sehen. Eine Wolke bildete sich. Dieser schimmerte grünlich, war sie doch voller Zauber. Die Wolke wuchs zu einem riesigen Gebilde heran. Dann passierte nichts mehr. Marlo schaute verwundert. Warum regnete die Wolke denn nicht? Er hatte wohl etwas vergessen. Hm, was war das denn noch? Ach ja, jetzt fiel es ihm ein. Marlo lächelte und sprach in Richtung der Wolke: “Liebe Wolke. Was ist grün und springt auf und ab? Na ein Frosch, der von einer Biene in den Hintern gestochen wurde!” Marlo lachte. Es dauerte einen Moment, bis die Wolke den Witz verstanden hatte. Dann lachte auch sie. Und wenn eine Wolke lacht, dann muss sie weinen. Denn so bringt man eine Zauberwolke zum Regnen: mit einem Witz. Das war das Geheimnis.

Nun regnete die Wolke. Und sie lachte dabei immer weiter, denn sie fand den Witz immer noch unheimlich lustig. Während die Wolke so regnete und lachte, ging das Feuer langsam aus. Der Brand war gelöscht. Der Schrecken war vorbei. Die Tiere des Waldes jubelten. Marlo hatte sie mit seinen Zaubersprüchen gerettet. Die dankbaren Tiere nahmen das kleine Gespenst und warfen es immer hoch in die Luft und fingen Marlo dann wieder auf. Dabei riefen sie: “Hoch soll er leben, dreimal hoch!”. Marlo lächelte und war glücklich, dass er helfen konnte.

21583283039_14e0e20899_h.jpg
Die Zauberwolke: Erzählt man ihr einen Witz, dann lacht sie. Und regnet dabei.


23.02.2017. Diese Geschichte habe ich für meine beiden Kinder als Gute-Nacht-Geschichte erdacht. Vielleicht findet auch der ein oder andere Freund der fantastischen Geschichte daran gefallen. 🙂

Alle Abenteuer von Marlo findet Ihr hier.

marlo_gespenst.jpg
Der kleine Marlo.


Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s