Die Rückkehr des Roten Drachens (Eine Drachengeschichte, Teil 7)

Die Zerstörung kam im Morgengrauen. Die drei Ritter schliefen noch. Der Gelbe Ritter wachte auch, als ihm die Deckenlampe auf den Bauch fiel. Der Blaue und der Rote Ritter wurden aus ihren Betten geschleudert. Dann war das Dach weg. Kalte Morgenluft strömte hinein.

„Springt!“ rief der Blaue Ritter. Ohne zu Zögern sprangen die drei Ritter. Mit dem Kopf voraus landeten sie im Wasser des Burggrabens. Als sie auftauchten, blickten sie zurück. Doch da war nichts. Der Turm ihres Schlafgemachs war eingestürzt. Es brannte überall. Und in diesem Moment traf ein riesiger Feuerstrahl den zweiten Schlossturm. Dieser brannte lichterloh.

Im Rauch des Feuers sahen sie Bewegung am Himmel. Zwei gigantische Flügel, die näher kamen. Und ein wildes Fauchen. Etwas kam auf sie zugeflogen. „Taucht ab!“ rief der Blaue Ritter. Die Ritter holten tief Luft und gingen unter Wasser. In diesem Moment tauchten riesige Krallen ins Wasser ein, eine jede so lang und scharf wie ein Schwert.  Die Krallen waren blutrot. Er war es. Er war zurückgekehrt.

„Der Rote Drache ist zurück“, rief der Gelbe Ritter. Und in diesem Moment sahen sie das gigantische Tier. Schon einmal hatten sie es bekämpft, als der Rote Drache die Höhle des Schwarzen Drachens besetzt hatte. Nun war er wieder da. Und offensichtlich wollte er Rache für seine damalige Niederlage.

Die drei Ritter schwammen hastig an Land und versteckten sich hinter einer eingestürzten Burgmauer. Der Rote Drache wütete weiter. Mit seinen riesigen Krallen brach er weitere Steine aus den Mauern, bis diese zusammenstürzten. Mit gewaltigen Feuerstößen (das Feuer war dabei blutrot) zündete er dabei das Holz der Dächer und der Gebäude an. In kurzer Zeit stand das ganze Schloss in Flammen. Der rote Drache kreiste am Himmel und stieß ohrenbetäubende Schreie aus. Immer und immer wieder. Das Untier lachte über die Zerstörung, die es über das Rote Schloss gebracht hatte.

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Das brennende Rote Schloss liegt hinter diesem Hügel.

„Wir sind verloren“, sagte der Blaue Ritter traurig. „Noch nicht“, sagte der Gelbe Ritter. Sein blauer Freund schaute ihn fragend an. Der Gelbe zeigte mit seinem Finger in den Himmel. Dort war ein zweiter Schatten zu sehen. Und dieser kreiste direkt über dem Roten Drachen. Just in diesem Moment stieß der Schatten zu und flog auf den Roten Drachen zu. Ein ohrenbetäubendes Brüllen war am Himmel zu hören. Dann krachte der Rote Drache mit einem lauten Schreien zu Boden. Beim Einschlag flogen brennende Ballen und Steine herum. Wenige Meter über ihm schwebte mit lautem Flügelschlag in der Luft: der Schwarze Drache.

„Er hat ihm vom Himmel gestoßen!“ rief der Rote Ritter. „Steigt auf!“, brüllte der Schwarze Drache mit lauter Stimme. Ohne zu Zögern liefen die drei Ritter los. Sie stiegen eine steinerne Treppe hoch. Der schwarze Drache flog direkt neben diese. „Springt!“ rief der Drache. Und das taten sie. Mit einem riesigen Sprung stießen sich die Ritter von der Treppe an. Sie landeten auf dem Rücken des riesigen Drachens und krallten sich am Rücken des schuppigen Tieres fest. Der Drache stieg sofort auf und flog bis über die Wolken hinauf.

„Danke, alter Freund“, rief der Blaue Ritter. „Dankt mir nicht zu früh“, raunte der Drache. „Es ist noch nicht vorbei. Der Rote Drache ist nur kurz bewusstlos. Er wird wieder angreifen. Wir müssen schnell sein.“ Mit diesen Worten flog der Schwarze Drache zum Mandrago-Berg, der direkt neben dem Roten Schloss stand. Er landete. Dort auf dem Gipfel des Berges war alles voller Eis und Schnee. „Schnell, Ritter, geht in die Höhle. Wir brauchen dort die Eiszapfen des Mandrago-Bergs. Sie sind voller Magie und sie können uns im Kampf gegen den Drachen helfen.“

Die Ritter gehorchten und gingen schnell in die Höhle. Ein jeder brach zwei riesige Eiszapfen von der Decke der Eishöhle ab und klemmte sie unter die Arme. Die Dinger waren richtig schwer. Und sie funkelten golden in der dunklen Höhle.

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Im Kampf gegen den Roten Drachen holten sich die Ritter die magischen Eiszapfen des Mandrago-Bergs.

„Aufsteigen!“ brüllte der Drache und stieß dabei einen Feuerstoß aus. Gemeinsam flogen sie zurück vom Mandrago-Berg zum Schloss. Der Rote Drache hatte weiter gewütet und vom Schloss war nicht mehr viel übrig. Der Rote Drache hatte sie bemerkt. Er flog direkt auf sie zu. Doch der Schwarze Drache wich kurz vor dem Zusammenstoß aus und flog direkt über den Roten Drachen. „Werft die Eiszapfen!“.

Der blaue Ritter warf einen Zapfen, verfehlte den Drachen aber. Genauso der Gelbe Ritter. Dann warf der Rote Ritter. Sein Zapfen traf den Roten Drachen am Flügel. Beim Aufprall des Zapfens blitzte es golden. Die Magie tat ihre Wirkung. Der Rote Drache schrie auf vor Schmerz.

„Nochmal!“, brüllte der Schwarze Drache. Er flog steil aufwärts in den Himmel. Die Ritter hielten sich fest, so dass sie nicht vom Rücken rutschten. Dann drehte der Drache ruckartig um und flog mit dem Kopf nach unten in großer Geschwindigkeit auf den Roten Drachen zu. „Jetzt!“ rief der Blaue Ritter. Alle drei Kämpfer warfen nun ihre letzten Eiszapfen auf den Roten Drachen. Diese musste treffen. Alle drei Zapfen flogen auf den Drachen zu. Einer davon traf den zweiten Flügel des roten Untiers. Der Drache schrie. Ein zweiter Zapfen traf den Schwanz. Das Monster wurde in der Luft umhergewirbelt. Der dritte Zapfen traf den Kopf. Ein helles Leuchten war zu sehen. Der Rote Drache auf. Er taumelte und seine Flügel hörten auf zu schlagen. Er stürzte in die Tiefe. Im Fall stieß er Feuerstöße aus und drehte sich um seine eigene Achse wie ein Kreisel. Mit einem lauten Krachen schlug er auf dem Boden auf. Dort blieb er regungslos liegen.

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Die magischen Eiszapfen, die den Roten Drachen besiegten.

„Er ist besiegt“, rief der Schwarze Drache. Sie flogen zur Erde und landeten. Der Rote Drache war tot. Er war keine Gefahr mehr. Hinter ihm brannte das Schloss. Es war zerstört. „Ich werde Euch beim Aufbau helfen“, sagte der Schwarze Drache. Und das tat er. Tag für Tag flog er zum Schwarzen Gebirge und brach mit seinen gewaltigen Krallen Felsblöcke aus dem Berg. Aus diesen Brocken schlugen die Ritter neue Steine für das Schloss. Nach kurzer Zeit hatten die Ritter und der Drache das Schloss neu aufgebaut. Zu Ehren Ihres Freundes nannten die Ritter die neue Burg „Schloss Drachenstein“.

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Tag für Tag flog der Schwarze Drache zum Schwarzen Gebirge, um Steine für das neue Schloss der Ritter aus dem Stein herauszubrechen.

ENDE

16.02.2017. Diese Geschichte habe ich für meine beiden Kinder als Gute-Nacht-Geschichte erdacht. Vielleicht findet auch der ein oder andere Freund der fantastischen Geschichte daran gefallen. 🙂

Weitere Drachen- und Troll-Geschichten findet Ihr hier.

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