Der Fall des Guten (Eine Masters of the Universe Kurzgeschichte)

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„Hilf‘ mir“, rief die Stimme schwach. Adam drehte sich um. Dann sah er die Frau. Sie war alt, konnte sich kaum noch aufrecht halten. Nur ein aus einem alten Ast geschnitzter Stock hielt sie aufrecht.

Adam war auf den Markt von Eternis gekommen, um seine Lieblingsfrucht zu kaufen. Drakata, die Süßfrucht aus Kandoria, war berühmt für ihren Geschmack. Dann hatte er plötzlich ein Wehklagen aus einer dunklen Gasse gehört. Eine alte Frau saß dort auf dem Boden im Staub. Adam ging zu ihr.

„Was kann ich für Dich tun?“, fragte Adam mit freundlicher Stimme. Die alte Frau begann zu erzählen. Dass sie und ihre Tochter sich verlaufen hatten im Wald. Plötzlich war ihre Tochter weggewesen. Im Gestrüpp des Dschungels konnte sie diese nicht finden. Mit letzter Kraft hatte sie sich in die Hauptstadt Eternias geschleppt.

„Ich helfe Dir“, sagte Adam mit entschlossener Stimme. Das Gesicht der Alten hellte sich zugleich auf. „Komm‘ mit mir, ich führe Dich zu der Stelle, an der wir uns verloren haben“, sagte sie.

Adam ging mit ihr aus der Stadt. Hinaus durch die Wälder des Evergreen Forest. Sie liefen eine lange Zeit und der Wald wurde immer mehr zu einem dichten Dschungel. Dann zeigte die alte Frau auf eine Bergspitze. „Der Berg von Tanmut“, murmelte Adam. Das war der höchste Berg von Eternia. Seine Spitze lag in den Wolken.

Adam und die alte Frau erklommen die schmale Wendeltreppe, die ringsum Stück für Stück zum Berg hinaufführte. Um sie herum brach tosendes Gewässer dicht neben ihnen herunter. Denn von der Spitze des Berges fiel das Wasser sturzartig herab.

Angekommen am Gipfel schaute Adam sich um. Ein komischer Platz, um mit seiner Tochter herzukommen, dachte er. Er suchte das Plateau des Berges ab. Waren das Spuren am feuchten Boden? Das sahen aus wie Panthertatzen…

… plötzlich durchzog ein stechender Schmerz Adams Kopf. Er sank zu Boden. Etwas hatte ihn hart am Kopf getroffen. Benommen drehte er seinen Kopf um und schaute hinter sich. Über seinem Kopf blitzten zwei smaragdgrüne Augen. Ein großer, purpurner Kopf senkte sich herab. Er vernahm ein dunkles, bedrohliches Grollen. Panthor. Der Kampfpanther des Bösen. Er fuhr seine mächtige Tatze wieder ein, mit der er Adam zu Boden gestreckt hatte.

„Überraschung!“ tönte eine krächzende Frauenstimme. Ein fahles, gelbliches Gesicht grinste ihn an. Evil-Lyn. Skeletors Dämonenfürstin. Adam keuchte schwer: „Eine Falle.“ „In der Tat“, frohlockte Evil-Lyn. In diesem Moment warf sie den schmutzigen Umhang zu Boden, mit dem sie und ihr Zauber sich alte Frau getarnt hatte. „Und Du bist sehr bereitwillig in sie getappt, naiver Prinz. Und Deine Güte wird dir nun zum Verhängnis.“

Mit diesen Worten schob Panthor den benommenen Körper des Prinzen Stück für Stück in Richtung des Abgrunds. Kurz vor der Kante winkte ihm Evil-Lyn schadenfroh zu und sagte mit dämonischer Stimme: „Und da war es nun einer weniger, der uns im Weg steht. Falle tief und ruhe sanft, kleiner Prinz!“. Mit diesen Worten schob Panthor Adam über die Bergkante.

Adam fiel ins Bodenlose und er hörte das grausame Lachen Evil-Lyns in seinen Ohren. Das tosende Wasser schoss ihm ins Gesicht und wirbelte ihn im freien Fall in alle Richtungen. Doch das erweckte ihn auch aus seiner Benommenheit. Nur noch wenige Sekunden und er würde am Fuße des Berges auf den Boden aufschlagen. Adam konnte das nicht überleben. Doch er würde zu jemandem werden können, der es konnte.

Adam griff nun über seine Schulter und bekam den Griff seines Schwerts zu fassen. Der Wasserfall riss ihn im freien Flug erneut herum. Beinahe hätte er die Waffe fallen gelassen. Doch er hatte das Schwert nun wieder fest in der Hand. Blitzschnell zog er es aus seiner Schwertscheide. „Bei der Macht von Grayskull!“. Er schrie. Wasser drang tief in seinen Mund ein. Er keuchte und hustete. Mit gewaltiger Anstrengung presste er nun die weiteren Worte aus seiner Kehle: „Ich habe die Zauberkraft!“.

Gleißendes Licht färbte nun den Wasserfall in eine unwirkliche Lichtsäue. Mit brachialer Kraft ließ die Macht von Grayskull die Wassermoleküle zerbersten. Für den Bruchteil einer Sekunde war der Wasserfall nun unterbrochen. Und umso deutlicher sah man He-Man.

Millisekunden später schlug der stärkste Mann des Universums am Fuße des Wasserfalls am Boden ein. Steine, Holz und Wassermassen flogen in alle Richtungen. Kleinste Wassertropfen hüllten alles ein und vernebelte die Sicht. Langsam verzog sich der Dunst. Und dann stand dort He-Man. Aufrecht. Knietief im Wasser. Grimmig dreinblickend.

Nachdem Panthor Adam über die Klippe gestoßen hatte, war Evil-Lyn auf Panthor aufgesattelt und hatte mit dem mächtigen Tier den Abstieg vom Berg begonnen. Sie lächelte, würde sie Skeletor doch die frohe Botschaft von dem Ableben von Prinz Adam überbringen. ‚Der Fall des Guten’. Im wörtlichen und übertragenen Sinne. Sie lachte schadenfroh in sich hinein. König Randor würde untröstlich über den Tod seines Sohnes sein. Er würde sich grämen. Zurückziehen. Eternia würde führungsschwach sein. Und dann würde Skeletor zuschlagen. Diese Schwäche ausnutzen und die Macht an sich reißen.

„Güte ist keine Schwäche. Sie zeigt die wahre Größe eines Mannes.“ Mit diesen Worten begrüßte He-Man Evil-Lyn am Fuße des Berges. Diese wurde jäh aus ihren Gedanken gerissen. „He-….“ Weiter kam sie nicht. Nun hatte He-Man das Überraschungsmoment für sich genutzt. Mit seinen gewaltigen Händen packte er blitzartig Panthors Kopf und drückte das gewaltige Tier fest zu Boden. Evil-Lyn wurde abgeworfen und fiel in den Dreck. He-Man zog sein Zauberschwert und hielt es dicht an Panthors Auge. Ruhig sagte er: „Eine Bewegung.“ Das Tier verstand. Es blieb liegen.

Adam ging rüber zu Evil-Lyn. „Du? Aber … Adam?“ stammelte sie. „Aufgefangen“, sagte He-Man mit ernster Miene. „Aber reden wir nicht über ihn, sondern über Dich.“ Mit diesen Worten packte er Skeletors Helferin an den Füßen und schliff sie über den Boden. Dann zog er eine Liane von einem Baum. Er fesselte Lyn und setzte sie auf Panthor.

„Auf, Dämonenkatze, lauf.“ Das Tier gehorchte. He-Man folgte den beiden mit dem Schwert in Anschlag. Nach einem langen Marsch kamen sie bei Snake Mountain an. Die Dämmerung hatte eingesetzt. Der Himmel über der Festung des Bösen war in einen unwirklichen blauen Nebel getaucht. Es roch nach Fäulnis.

„Skeletor“, rief He-Man. Stille. Bewegung im Schloss. Der Fürst der Dunkelheit schaute argwöhnisch aus der Festung. Sicher hinter einem vergitterten Fenster stehend. Auch Kobra Khan, Two-Bad und Webstor kam nun ins Sichtfeld.

He-Man ließ die schlammbeschmierte und sichtlich mitgenommene Evil-Lyn absteigen. Bei ihrem Anblick holte Skeletor tief Luft. Seine roten Augen leuchten in den dunklen Schädelhöhlen auf. Er war außer sich vor Wut. Welch‘ eine Demütigung.

„Skeletor, ich bringe dir Deine Vasallin zurück. Sie hat versagt. Ich dachte mir, sie sollte Dir selbst erzählen, wie alles gelaufen ist. Ich denke, Ihr habt viel zu besprechen.“

Mit diesen Worten ließ er die gefesselte Evil-Lyn stehen. Er drehte sich um und ging langsam zurück in den Wald. Two-Bad und Webstor wollten vorpreschen und ihm folgen. Skeletor machte mit seiner Hand eine abwehrende Geste in ihre Richtung: „Nein! Wir sind Krieger, keine Feiglinge. Der Hinterhalt liegt uns nicht.“ Mit diesen Worten drehte er seinen Kopf langsam zu Evil-Lyn. Er schaute sie lange und schweigend an. Sie senkte den Kopf und schaute zu Boden. Nun konnte sie nur noch auf Skeletors Güte hoffen.

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05.02.2017/Dies ist das (Fantasie-) Werk eines Masters of the Universe Fans. In Anlehnung an die Filmation Serie und die Europa Hörspiele. Aus Liebe an dieser fantastischen Idee namens He-Man and the Masters of the Universe.


Die Hörgeschichte zur Short Story:

Weitere Kurzgeschichten:

DAS GEFRORENE SCHWERT: Eine Masters of the Universe Kurzgeschichte

 

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