Die Entführung des Gelben Ritters (Eine Drachengeschichte, Teil 6)

Es war Nacht im Roten Schloss. Die drei Ritter schliefen. Plötzlich krachte ein Stein durch das Fenster ihres Schlafgemachs. Ein Angriff! Und tatsächlich: Draußen vor den Schlosstoren standen die Gelbtrolle aus dem Schwarzmoor. Mit ihren Katapulten feuerten sie Steine ab.

Schnell hatten die drei Ritter ihre Rüstungen angezogen und sich aus der Waffenkammer ihre Schilder und Schwerter geholt. Gerade rechtzeitig, denn die ersten Gelbtrolle stiegen bereits mit ihren Leitern die Burgmauern hinauf. Die Ritter kämpften tapfer und schlugen die Gelbtrolle zurück. Doch da geschah es: ein Gelbtroll packte den Gelben Ritter und zog ihn über die Mauer. Er fiel in die Tiefe.

„Freund!“, riefen der Rote und der Blaue Ritter. Doch dem Gelben Ritter war nichts passiert, da er direkt in den mit Wasser gefüllten Burggraben gefallen war. Doch die Gelbtrolle waren bereits zur Stelle. Sie zogen den Kämpfer aus dem Wasser und legten ihm Fesseln an. Zugleich schleppten sie ihn auf einen Pferdewagen. Dann rief der Anführer der Gelbtrolle zum Rückzug. Die Gelbtrolle flüchteten – und mit ihnen verschwand der Gelbe Ritter.

Am nächsten Morgen machen sich die Ritter auf zu den Schwarzmooren. Sie wollten ihren Freunden, den Gelben Ritter, retten. Im Moor wohnten die Gelbtrolle. Die Ritter durchquerten die die Heißquellen von Lavia. Dort schoss kochendes Wasser aus dem Boden und die Ritter mussten aufpassen, dass sie in ihren stählernen Rüstungen nicht gekocht wurden. Dann durchquerten sie die bitterkalte Eiswüste von Icidor. Dort war es so kalt, dass ihre Schwerter wie Eiszapfen abbrachen. Sie hatten nun keine Waffen mehr. Trotzdem gingen sie weiter.

Nach vielen Tagen erreichten sie endlich das Schwarzmoor. Dieses war riesig. Man sah nicht Anfang oder Ende. Es war wie ein großes weites Meer. Nur dass anstatt Wasser eine schwarze, stinkende Brühe vorhanden war. Einmal hineingefallen würde man im Moor versinken und nie wieder an Land kommen können.

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Das Schwarzmoor.

Inmitten des Moors lag eine Insel. Nur ein schmaler Weg führte dorthin. Auf dieser Insel konnten die Ritter eine gewaltige Mauer sehen. Doch diese war nicht aus Steinen gebaut worden, sondern aus Knochen. Es war die Festung der Gelbtrolle.

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Die Ritter warteten, bis es Nacht war. Dann schlichen sie sich an die Festung heran. Doch dieser war verschlossen. Da hatten sie eine Idee. Sie fingen an zu graben. Sie gruben einen Tunnel und wollten durch diesen unter dem Schluss hindurch zum Gelben Ritter vordringen. Uns das klappte auch. Die Ritter gruben eifrig und nach kurzer Zeit hatten sie sich bis zum Gefängnis des Ritters vorgegraben.

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„Ihr seid gekommen, um mich zu retten!“, rief der Gelbe Ritter freudig aus, als er seine Gefährten sah. „Psssst“, sagte der Rote Ritter. „Du weckst die Trolle auf.“ Schnell gingen die Ritter zurück in den Tunnel. Sie wollten schleunigst verschwinden. Doch sie kamen nicht weit.

In der Mitte des Weges war der Tunnel eingestürzt. Dies hatten auch die Trolle gemerkt. Sie schlugen Alarm. Schnell kamen die Ritter aus dem Tunnel heraus und rannten auf das Burgtor zu. Hinter ihnen rannte eine Horde von Trollen hinterher.

Doch das Burgtor war verschlossen. Wie sollten sie denn nun entkommen? „Rauf auf die Burgmauer“, rief der Rote Ritter. Dort angekommen rief der Rote Krieger: „Ein jeder von Euch setzt sich auf ein Katapult.“ Die anderen Ritter schauten verwundert, taten aber, was der Freund sagte.

Als alle drei Ritter auf dem Katapult saßen, rief der Rote Ritter: „Feuer!“ Und mit einem Messer schnitten die Ritter die gespannten Seile der Katapulte durch. Sogleich wurden sie in die Luft katapultiert. Wie ein Geschoss flogen sie in hohem Bogen über die Burgmauern und über das Moor hinweg. Viele hundert Meter weiter krachten sie in die Spitzen der Bäume. Zum Glück. Denn die Äste der Bäume fingen sie auf, so dass sie sich nicht verletzten.

Die Ritter wollten von den Bäumen herunter steigen, doch es war zu spät. Die Gelbtrolle waren bereits herangeeilt. Und sie fingen mit ihren gewaltigen Äxten an, die Bäume zu fällen. Nur noch wenige Sekunden, dann würden die Bäume umfallen. Und mit ihnen die Ritter.

Doch was war das? Ein Luftzug über ihnen? Ein flatterndes Geräusch? Der Geruch von Feuer in der Luft? Das konnte nur er sein. Und tatsächlich: mit gewaltigen Flügelschlägen kam er angeflogen: der Schwarze Drache. Dieser stieß sofort bei seiner Ankunft einen gewaltigen Feuerstoß aus und erhellte damit die Nacht. Am Fuße der Bäume ließen die Trolle augenblicklich davon ab, die Bäume zu fällen. Erstarrt schauten sie in den Himmel.

„Schnell, meine Freunde“, rief der Drache mit dunkler Stimme. „Steigt auf!“. Und das taten die Ritter. Sie kletterten über den Flügel auf den Rücken des Drachens. Währenddessen hatten sich die Trolle vom Schreck erholt und schossen mit Pfeilen auf den Drachen. Doch diese prallten an der gepanzerten Drachenhaut einfach ab. Ein Feuerstoß in Richtung der Trolle und die Bäume über ihnen brannten.

Der Drache stieg mit gewaltigen Flügelschlägen in die Höhe. Bald waren sie so hoch gestiegen, dass die Trollpfeile sie nicht mehr erreichten. „Wie hast Du uns gefunden?“, fragte der Blaue Ritter verwundert. „Wir Drachen spüren, wenn unsere Freunde in Gefahr sind“, antwortete der Drache.

Die Ritter waren erleichtert. Alles war gut gegangen. Der Rote Ritter sagte: „Gelber Freund, das nächste Mal hältst du dich aber besser fest, wenn ein Troll Dich packt“. Und alle lachten laut, während der  Drache sie nach Hause flog.

ENDE

26.01.2017. Diese Geschichte habe ich für meine beiden Kinder als Gute-Nacht-Geschichte erdacht. Vielleicht findet auch der ein oder andere Freund der fantastischen Geschichte daran gefallen. 🙂

Weitere Drachen- und Troll-Geschichten findet Ihr hier.

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