​Marlo wird entführt (Eine kleine Gespenstergeschichte, Teil 3)

Marlo bereitete sich gerade sein Frühstück zu: Geisterflocken mit Wolfsmilch. Hm, eine  Leibspeise für kleine magische Gespenster. Da klopfte es an seiner Tür. Marlo flog zur Tür und öffnete sie. Vor der Tür stand ein Mann. Sehr groß, dunkler Hut, eine Feder eingesteckt. Er grinste breit, als er den kleinen Geist sah. Er hatte die Arme hinter seinem Rücken verschränkt.

“Hab’ ich Dich!” Mit diesen Worten kamen seine Hände zum Vorschein. In diesen hielt er einen großen Kartoffelsack. Blitzartig stülpte er diesen über den verdutzten Marlo und band ihn oben mit einer dicken Lederschnur zu. “Hahahaha”, lachte der große Mann laut. “Ich habe den magischen Geist gefangen”, sagte er zu sich selber. “Das wird mit auf dem Diebemarkt von Kronenstadt einen dicken Beutel Goldmünzen einbringen.”

Oh nein, dachte Marlo. Ein Räuber, der ihn verkaufen wollte, hatte ihn gefangen. Und Marlo konnte sich nicht aus dem Sack zaubern. Diesen Trick beherrschte das junge Gespenst noch nicht. Der Räuber schritt durch den Wald. Er hatte ausgezeichnete Laune. Deshalb sang er ein lautes Räuberlied:

Ach wie toll, ach wie gut, ach wie wunderbar.

Ich mag meinen Fang gar sehr.

Ach wie toll, ach wie gut, ach wie wunderbar.

Das kleine Gespenst, das geb’  ich nicht mehr her.

Ach wie toll, ach wie gut, ach wie wunderbar.

Verkaufen werde ich ihn auf den Markt — für ganz viel Gold. Das find ich stark.

Ach wie toll, ach wie gut, ach wie wunderbar.

Da er so gute Laune hatte, sang der Räuber das Lied sehr laut. Dies hörte auch Jonas, der Jäger. Er saß gerade am nahe gelegenen Fluss beim Angeln. Er schlich sich an und versteckte sich hinter einem Busch. Der Räuber ging an ihm vorbei.

‘Der muss Marlo da in seinem Sack gefangen haben’, dachte Jonas. ‚Ich muss ihn befreien‘. Schnell heckte er einen Plan aus. Er lief zu einem kleinen Waschbär, der gerade am Fluss seine Pfoten wusch. “Hey, kleiner Freund!”. Der Waschbär schaute ihn an. Marlo hatte Jonas beigebracht, wie Jonas mit Tieren reden konnte. Dann erzählte der junge Jäger dem Waschbären, was passiert war. Schnell lief dieser daraufhin in den Wald. Dort traf er ein Eichhörnchen, das gerade Nüsse knackte. Er flüsterte dem kleinen Tier etwas ins Ohr. Daraufhin kletterte das Eichhörnchen den Baum hinauf. Dort traf es einen Vogel. Auch diesem gab er die Nachricht weiter. So ging es immer weiter im Wald. Die Nachricht von Marlos Entführung verbreitete sich in Windeseile unter den Tieren.

Kurzer Zeit später bog der Räuber um eine Ecke. Und blieb wie vom Donner gerührt stehen. Vor ihm standen Tiere. Viele davon. Kleine und große. Füchse, Hasen, Wildscheine, Rehe, Waschbären, Schlangen, Mäuse. Ja, sogar eine Eule war dabei. Die Tiere versperrten ihm den Weg.

Dann liefen als Erstes die Mäuse auf ihn zu. Sie kletterten flink an seinen Beinen hoch und schlüpften in die Hose, in die Jacke und unter den Hut. Und bissen ihn dann. “Au, au, au, au”, rief der Räuber. Dann lief ein Wildschein los. Es rannte in voller Fahrt auf den Räuber zu und boxte ihn den Bauch. Mit einem lauten “Uffff” fiel der Schurke auf den Rücken. Als Nächstes stürzten sich die Waschbären auf den Räuber. Mit ihren Krallen kratzten sie an den Händen des Räubers. Vor lauter Schmerz ließ dieser daraufhin den Sack mit Marlo los. Nun war das Reh an der Reihe. Es preschte los. Mit seinem Geweih gabelte er den Sack mit Marlo auf. Fest verankert im Gehörn des Tieres rannte es wieder weg. Das Reh legte den Sack hinter einem Busch auf den Boden. Marlo war nun in Sicherheit.

Währenddessen kümmerten sich die anderen Tiere weiter um den Räuber. Man hörte nur “Au, au au, au” und “Ei, ei, ei”, so sehr piesackten die Tiere des Waldes den Räuber. Schlussendlich schaffte es der Schuft, wieder auf seine Beine zu kommen und trat die Flucht an. Bald war er verschwunden.

Marlo krabbelte aus dem Sack. Um ihn herum stand sein Freund Jonas und alle Tiere. “Danke für Eure Hilfe”, rief das kleine Gespenst fröhlich. Marlo war unverletzt. Und als Ausdruck seines Danks lud Marlo alle zusammen am gleichen Abend zu einem rauschenden Fest in sein Gespensterhaus. Menschen, Gespenster und Tiere feierten so bis tief in die Morgenstunden.

ENDE

10.01.2017. Diese Geschichte habe ich für meine beiden Kinder als Gute-Nacht-Geschichte erdacht. Vielleicht findet auch der ein oder andere Freund der fantastischen Geschichte daran gefallen. 🙂

Marlos weitere Abenteuer:

Marlo wird entführt (Eine kleine Gespenstergeschichte, Teil 3)

Marlo und die Räuber

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