Der Drache und die Goldene Schildkröte (Eine Drachengeschichte, Teil 4)

Im Roten Königreich ging die Sonne auf. Doch der Tag brachte nichts Gutes. „Alarm!“, schrie der Rote Ritter. Er hatte über die Burgmauer geschaut. „Was ist los?“, fragte der herbeigeilte Blaue Ritter. „Schwarztrolle!“, murmelte der Gelbe Ritter. Und davon standen gleich tausend vor den Burgtoren des Roten Schlosses. Sie waren gekommen, um das Schloss zu zerstören.

„Wir müssen unseren Freund, den Schwarzen Drachen, rufen“, sagte er Blaue Ritter. „Nur er kann uns helfen. Das sind zu viele Trolle. Gegen die haben wir keine Chance.“ So bliesen die Ritter erneut in das magische Horn. Kurze Zeit flog ein riesiger Schatten über ihre Köpfe. Es war der Drache. Mit mächtigen Flügelschlägen landete der gewaltige Freund im Burghof.

„Auch ich kann Euch an dieser Stelle nicht helfen“, brummte der Drache. „Es sind einfach zu viele Trolle.“ Die Ritter schauten betreten nach unten. Doch der Drache sprach weiter: „Doch ich kenne jemanden, der uns helfen kann. Steigt auf meinen Rücken. Wir müssen sofort los.“ Und die drei Ritter stiegen über den schuppigen Schwanz auf den gewaltigen Drachenrücken. Der Drache breitete seine Flügel aus und erhob sich in die Lüfte.

Sie flogen hoch oben über den Wolken. Nach etwa einer Stunde kam ihr Ziel in Sicht. „Der Eisberg von Talluria“, brummte der Drache. Das war der höchste Berg im Königreich. Kein Mensch war jemals dort oben gewesen. Wer konnte denn da schon leben?

Der Drache landete auf dem Gipfel des Berges und die Ritter stiegen von ihm ab. Vor ihnen lag eine Eishöhle. Der Eingang war offen. Doch da drin war es rabenschwarz. Nichts war zu sehen. Oder doch? Was schimmerte denn da so golden?

Das Schimmern wurde nun immer mehr zu einem Leuchten. Da bewegte sich etwas auf den Eingang zu. Und nun sahen die Ritter, was es war: Eine riesige Schildkröte. Sie war so groß wie ein Pferdewagen. Und sie war ganz aus Gold. Als die Lichtstrahlen der Sonne auf ihren mächtigen Rückenpanzer fielen, wurden die Ritter vom Licht geblendet.

„Das ist die Goldene Schildkröte von Talluria“, grollte der Drache. „Sie ist über 300 Jahre alt und deshalb sehr klug. Sie wird uns helfen.“ Die Goldene Schildkröte kam näher. Sie stand nun vor den Besuchern. Mit müden Augen schaute sie die Ritter an. Dann wendete sie ihren Blick dem Schwarzen Drachen zu. Und begann zu sprechen. Leise. In einer Sprache, welche die Ritter nicht verstanden. Der Drache aber anscheinend schon. Denn er nickte immer wieder zustimmend, als die Schildkröte erzählte. Dann brummte er. Die Schildkröte drehte sich um und ging langsam zurück zur Höhle.

„Was ist los?“, fragte der Rote Ritter. „Hilft sie uns nicht?“. „Abwarten, Du Mensch!“, fauchte der Drachen den Krieger an. Die Schildkröte war nun am Höhleneingang angekommen. Knapp ging sie an der Eingangsöffnung vorbei. Dabei kratzte Ihr Rückenpanzer am Eis. Von diesem fiel goldener Staub ab. Dieser funkelte nun im weißen Schnee. Die Schildkröte war nun ganz in ihrer Höhle verschwunden.

„Schnell“, grollte der Drache. „Sammelt den Goldstaub ein. Wir müssen zurück zum Schloss!“. Schnell kratzten die Ritter das Gold zusammen und stiegen auf den Rücken des Drachen. Da erhob sich dieser wieder in die Luft und flog mit rasender Geschwindigkeit zum Schloss. Er flog so schnell, dass die Ritter Mühe hatten, sich an den Rückenschuppen des Tieres festzuhalten.

Kurze Zeit später war sie beim Schloss angekommen. Unten tobten die Schwarztrolle. Sie hatten schon große Stücke der Burg zerstört. Nur noch das Burgtor hinderte sie daran, das Schloss einzunehmen. Doch die Trolle waren gerade dabei, es mit riesigen Stahlhämmern zu zertrümmern.

„Schnell, werft den Goldstaub ab“, brüllte der Drache. Die Ritter taten das. Der Staub rieselte vom Himmel herab. Nun erschien er feiner, fast wie Nebel. Die Luft glitzerte golden. Auf der Erde angekommen, bedeckte der Goldstaub nun alle Trolle. Diese schauten verwundert. Doch nur kurz. Denn dann passierte etwas: Der Staub blitzte hell auf der Trollhaut auf, als er diese berührte. Ein Zauber war freigesetzt! Und tatsächlich: die Trolle verwandelten sich in Stein.

In wenigen Sekunden waren alle Schwarztrolle regungslos geworden. Sie waren zu hartem, kalten Stein verwandelt worden. Der Drache mit den Rittern war zwischenzeitlich gelandet. Mit Ihren Schwertern und Äxten zerschlugen die Ritter die versteinerten Trolle in tausend kleine Stücke. Als der Abend dämmerte, waren alle Trolle zerstört. Und das Rote Königreich wieder einmal gerettet.

ENDE

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04.01.2017. Diese Geschichte habe ich für meine beiden Kinder als Gute-Nacht-Geschichte erdacht. Vielleicht findet auch der ein oder andere Freund der fantastischen Geschichte daran gefallen. 🙂

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