Der Schwarze Drache und die Silberne Schlange (Eine Drachengeschichte, Teil 3)

Es war ein kalter Winternachmittag kurz vor Weihnachten. Der Gelbe, Rote und Blaue Ritter legten gerade Holz in den Kamin nach, da hörten sie den Flügelschlag des Schwarzen Drachen. Ihr Freund war also wieder da. Was war passiert?

“Freunde, Ihr müsst mir helfen”, sagte der Schwarze Drache mit lauter Stimme. Er war außer sich. Er hatte sich mit seinen scharfen Klauen auf der Burgmauer festgekrallt. Seine mächtigen Flügel gingen auf und ab. Er war nervös. “Mein kleiner Drache, mein Sohn, er ist nicht heimgekehrt. Er war im Finsterwald hinter dem Morgental jagen. Er sollte zum Anbruch des Abends wieder in unserer Höhle sein. Aber er kam nicht heim.” Sorgenvoll schaute der mächtige Drachen drein.

“Wir helfen natürlich”, sagten die drei Ritter gleichzeitig. Der Drache nickte. “Ihr müsst wissen, die Bäume und die Büsche im Finsterwald sind so dicht, da komme ich nicht rein.” Ja, der Drache war wirklich groß. Er passte kaum durch ein Burgtor, wie sollte er da in einen dichten Wald gehen?

“Springt auf meinen Rücken”, donnerte der Drache. “Wir müssen los.” Zugleich kletterten die drei Ritter über den Schwanz des Drachen auf seinen Rücken. Der Drache breitete seine mächtigen Flügel aus und hob ab. Er flog so hoch in den Himmel, dass die Ritter ihr Schloss gar nicht mehr sehen konnte. Und der Mond sah aus diesem Blickwinkel wirklich nah aus.

Der Drache flog schneller. Denn es war ein weiter Weg in den Finsterwald. Sie überflogen die Moore von Grumia, die Smaragdfelsen von Metertal, den Schwarzsee von Marunia und dann kam das Morgental in Sicht. Dahinter lag der Finsterwald. Und langsam ging auch wieder die Sonne auf.

Der Schwarze Drache landete. Die Ritter kletterten vom Rücken. Sie zogen ihre Schwerter. Sogleich machten sie sich auf den Weg in den finsteren Wald. Der Drache wartete davor. Sie zerschlugen mit ihren Schwertern Bäume und Büsche. Nach etwa einer Stunde sahen sie einen Lichtschimmer durch das dichte Geäst. War das ein Feuer oder eine Lampe? Vorsichtig schlichen sich die Ritter näher an.

Und dann hielten sie inne. Erstarrt schauten sie aus ihrem Versteck auf das, was vor ihnen lagen. Oder besser: wer. Das war kein Licht, kein Feuer. Es war Haut, die dort blitzte. Silberne Haut. Und diese Haut bewegte sich. Es war eine riesige Schlange mit silberner Haut, die durch das Holz glitt. Sie war so lang wie ein Baum und so breit wie ein Felsbrocken. Und ihre Augen waren grün wie das Gift der Grottentrolle von Persuga.

“Das ist Morgur, die Silberne Riesenschlange”, flüsterte der Gelbe Ritter. “Ich habe über sie im Magischen Buch des Roten Schlosses gelesen.” “Ich hätte nicht gedacht, dass es sie wirklich gibt”, sagte der Rote Rotter ungläubig. Und doch da vor ihnen war sie, die Riesenschlange. Und da war noch was. Was war das? Das war ein Gefängnis, gebaut von der Schlange aus Bäumen und Ästen. Und in dem Gefängnis saß: der Kleine Schwarze Drache.

“Sie hat ihn gefangen”, sagte der Blaue Ritter. “Sie will ihn fressen. Wir müssen was tun.”Schnell hatten sie einen Plan ausgeheckt. Sie standen aus ihrem Versteck auf und der Rote Ritter rief laut in Richtung des Untiers: “Hey, Du Schlange!” Der silberne Kopf der Schlange drehte sich blitzartig um. Die grünen Augen starrten den Ritter an. Ein kurzer Moment herrschte Stille. Dann öffnete die Schlange ihr riesiges Maul und zeigte ihre zwei gigantischen spitzen Giftzähne. Ein jeder war so lang wie der Arm eines erwachsenen Mannes. Und dann glitt die Schlange auf die Ritter zu.

Die Ritten drehten sich nun um und rannten weg. Die Schlange glitt schnell hinter ihnen her. Die Ritter liefen schneller. Die Schlange beschleunigte ebenfalls. Die Ritter sprangen über Äste und umliegende Bäume. Wenn sie jetzt hinfielen, war das ihr bitteres Ende. Die Schlange war dicht hinter ihnen, da rief der Rote Ritter: “Aufteilen!” Auf dieses Kommando bog der Gelbe Ritter nach links ab, der Blaue Ritter nach rechts und der Rote Ritter lief weiter geradeaus. Die Schlange war verwirrt. Wem sollte sie folgen? Sie entschied sich für den Roten Ritter. So rannten der Rote Ritter und die Schlange weiter geradeaus.

Der Gelbe und der Blaue Ritter, nun nicht mehr von der Schlange verfolgt, schlichen zurück zum Gefängnis, in dem der Kleine Schwarze Drache eingesperrt war. Der Drache pfiff laut vor Freude, als er seine Freunde erkannte. Schnell zerschlugen die Ritter mit ihren Schwertern die Äste des Gefängnis. Nun war der Drache frei.

“Schnell, lass uns fliehen, kleiner Freund”, rief der Gelbe Ritter. Und das taten sie. Sie machten sich auf dem Weg zum Waldrand. Dort wartete der Schwarze Drache auf sie. Der Kleine Drache fauchte laut vor Freude, dass er nun frei sein sollte. “Psssst”, sagte der Blaue Ritter. Doch es war bereits zu spät. Die Silberne Riesenschlange hatte sie gehört. Sofort hörte sie auf, den Roten Ritter zu verfolgen und kehrte um. Sie kam nun auf sie zu, man konnte sie hören, wie sie näher kam.

“Reeeeennnt!”, rief der Rote Ritter seinen Freunden aus der Ferne zu. Das taten sie. Doch sie waren zu langsam, der Wald war einfach zu dicht. Sie hörten, wie die Schlange immer näher kam. Immer näher. Hinter sich hörten sie Äste krachen und fallen. Gleich war sie da. Sie hörten ein Zischen und Fauchen ganz dicht hinter sich. “Bereit zum Kampf machen”, rief der Gelbe Ritter seinem Freund dem Blauen Ritter zu. Sie zogen die Schwerter. Doch der Kampf würde aussichtlos sein. Die Schlange war kurz davor, sie zu beißen. Da schoss ein Feuerstrahl plötzlich von oben herab. Dieser traf die Schlange am Kopf. Dies schrie schrill vor Schmerz und schaute nach oben. Dort flog der Große Schwarze Drache. Er hatte die Hilfeschreie gehört. Der Drache schoss erneut einen Feuerstrahl auf die Schlange. Diese kreischte erneut und kroch blitzartig weg. Sie floh! Sie hatte Angst vor dem mächtigen Schwarzen Drachen! Kurz darauf war Stille. Die Schlange war weg.

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Der Feuerstrahl des Schwarzen Drachens.

Der mächtige Schwarze Drache landete und nahm seinen Sohn in Empfang. Er legte seinen mächtigen Flügel um ihn. Der Kleine Drache schaute ihn mit großen Augen an. “Auf nach Hause”, donnerte der Drache. “Steigt alle auf meinen Rücken”. Und das taten sie. Kurz darauf hob der Drache vom Boden ab und flog in den Himmel. Die Ritter und der Kleine Drache flogen der Sonne entgegen. Zurück ins Rote Königreich.

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22.12.2016. Diese Geschichte habe ich für meine beiden Kinder als Gute-Nacht-Geschichte erdacht. Vielleicht findet auch der ein oder andere Ritter- und Drachenfreund daran gefallen. 🙂

Weitere Drachengeschichten:

Eine Drachengeschichte
Der Angriff der Gelbtrolle (Eine Drachengeschichte, Teil 2)

 

 

 

3 thoughts on “Der Schwarze Drache und die Silberne Schlange (Eine Drachengeschichte, Teil 3)

  1. Reblogged this on wolfstor and commented:

    Es war ein kalter Wintermorgen kurz vor Weihnachten. Der Gelbe, Rote und Blaue Ritter legten gerade Holz in den Kamin nach, da hörten sie den Flügelschlag des Schwarzen Drachen. Ihr Freund war also wieder da. Was war passiert?

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