Marlo, das magische Gespenst (Eine fantastische Geschichte)

Tief im Wald war ein Haus. Ein altes Haus. Es war vor hunderten Jahren gebaut worden. Die Farbe blätterte ab und  so manche Scheibe hatte einen Sprung. Das Haus war alt, aber besonders. Warum? Das sollte an einem kalten Winterabend der junge Jäger Jonas erfahren.

Jonas war im Wald unterwegs, er wollte sein Abendessen jagen. Doch im Jagdfieber hatte er die Zeit vergessen. Und es war bereits spät geworden. Es wurde dunkel. Und für Jonas war es ein weiter Weg nach Haus. Doch dann sah er das alte Haus. Er dachte sich: “Hey, da kann ich doch übernachten. Ich habe doch meinen Schlafsack dabei.”

Und das machte er. Er klopft an der Haustür. Diese war offen. Er rief “Hallo” hinein, doch niemand antwortete ihm. Das Haus schien unbewohnt. Also trat er ein. Er breitete seinen Schlafsack aus und zündete eine Kerze an. Er kochte sich dann eine Suppe und aß diese gierig auf. Er war müde vom langen Jagen. Kurz darauf legte er sich in seinen Schlafsack, blies die Kerze aus und machte die Augen zu.

Jäger Jonas war gerade am Einschlafen, da hörte er ein Knacken. War da was? Er öffnete die Augen. Nur ein Tier? Wahrscheinlich. Er schloss seine Augen wieder. Nur kurz darauf spürte er etwas. War das ein Luftzug? Konnte nicht sein, die Tür war doch zu. Also schloss er die Augen wieder. Dann machte es auf einmal “Peng!”. Wie vom Donner gerührt schnellte Jonas auf. Was war das. Kam da ein Geräusch aus dem Küchenschrank? Das klang wie eine Tasse, die im Schrank wackelte. Aber wie konnte das sein? Langsam ging er auf den Schrank zu.

Er schaut die Schranktür an. Die war verschlossen. Niemand war da außer ihm. Vorsichtig öffnete er die Schranktür. Er sah nichts. Also zündete er mit einem Streichholz eine Kerze an. Vorsichtig hielt er sie in Richtung des Schrankes. “Hallo”, sagte eine leise freundliche Stimme aus dem Schrank. Jonas erschrak und ließ die Kerze fallen. Es wurde dunkel. Ängstlich rannte er vom Schrank weg.

“W-w-wer ist da”, sagte Jonas. Doch es war dunkel. “Ich bin es”, sagte die Stimme freundlich. “Wer ist ich?”, wollte  Jonas wissen. “Marlo heiße ich”, sagte die Stimme aus dem Dunkeln. “Keine Angst, ich tue dir nichts.” “I-I-Ich heiße Jonas”, sagte der Jäger mit zitternder Stimme. “Hallo Jonas”, entgegnete Marlo. “Kannst Du dich zeigen”, fragte Jonas “das macht mir Angst, dass ich Dich hören, aber nicht sehen kann.”

“Gerne”, rief Marlo freundlich. Und in diesem Moment durchdrang ein grünlicher Lichtschimmer den Raum. Es wurde immer heller. Und da kam etwas angeflogen. Es schwebte auf Kopfhöhe über der Erde, war so groß wie ein Kopfkissen und hatte in der Tat auch die Gestalt eines Bettlakens. Es war: ein Gespenst. Ein kleines zwar, aber ja: Das war ein Gespenst.

Jonas schaute ungläubig Marlo an. Dieser zeigte seinen freundlichen blauen Augen und lächelte sanft. “Siehst Du mich jetzt besser, Jonas?”, fragte er. “Ja”, sagte Jonas. “Du bist ein Geist”, sagte dieser. “Ich bevorzuge die Bezeichnung ‘Gespenst'”, entgegnete Marlo. “Das klingt freundlicher. Aber ja, ich bin ein Gespenst.” “Lebst Du in diesem Haus”, fragte Jonas. “Ja, sagt Marlo. Seit über 300 Jahren wohne ich hier. Ich habe in dieser Zeit viel gesehen und erlebt: Räuber, Piraten, Banditen. Alle waren sie schon hier in meinem Haus. Aber sie waren alle nicht nett. Ich habe sie dann alle mit meinem Gespuke verjagt. Die hatten alle mächtig Angst, als sie schreiend aus dem Haus lief”, kicherte Marlo.

“Und verjagst Du mich jetzt auch?”, fragte Jonas. “Bist Du denn nett?”, fragte Marlo. “Ja, klar. Ich will hier nur schlafen. Draußen ist es dunkel und kalt.” “Dann darfst Du bleiben”, sagte Marlo mit freundlicher Stimme. Und so kam es, dass Marlo und Jonas die ganze Nacht miteinander sprachen, sich Geschichten erzählten und Spiele miteinander spielten. Und Marlo zauberte immer wieder kleine Sachen herbei. Denn er war ein magisches Gespenst, wie er Jonas verriet. Sie vergaßen die Zeit und bald fielen die ersten Sonnenstrahlen des Morgens ins Haus. “Oh, ich muss mich jetzt auf dem Dachboden verstecken”, rief Marlo. “Ein Gespenst kann nur im Dunkeln leben. Tschüss Jonas! Besuchst Du mich bald wieder?” “Ja, Marlo, das werde ich”, sagte Jonas. Und lächelte Marlo an. Und das kleine Gespenst lächelte zurück. In diesem Moment waren ein Jäger und ein kleines Gespenst sehr gute Freunde geworden.

Fortsetzung folgt…

16.12.2016. Diese Geschichte habe ich für meine beiden Kinder als Gute-Nacht-Geschichte erdacht. Vielleicht findet auch der ein oder andere Freund der fantastischen Geschichte daran gefallen. 🙂


Edit 2.11.2017: Die Hörgeschichte zur Kurzgeschichte auf YouTube:

5 thoughts on “Marlo, das magische Gespenst (Eine fantastische Geschichte)

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s