Der Angriff der Gelbtrolle (Eine Drachengeschichte, Teil 2)

Es war tiefe Nacht im Königreich. Der gelbe, rote und blaue Ritter schliefen tief und fest. Der rote Ritter träumte gerade von seiner neuen Rüstung, da krachte es gewaltig. Staub rieselte auf die Gesichter der schlafenden Krieger. Erschrocken richteten sich diese in ihren Betten auf.  “Was war das”, murmelte der blaue Ritter verschlafen. In diesem Augenblick krachte es erneut. Mit diesem zweiten Lärm verschwand etwas. Nämlich das Dach ihres Schlafraums. Weg war es. Einfach weg.

Was war passiert? Die Ritter flüchteten ins Freie. In dem Moment krachte ein riesiges Etwas in den Schlafsaal und legte dieses in Schutt und Asche. “Diese Geschosse, was sind die?”, fragte der rote Ritter, während er sein Schwert aus der Waffenkammer holte. “Das sind riesige Felsbrocken!”, sagte der blaue Ritter. “Die sehen aus wie direkt aus einem Berg gerissen. Schaut, da hängt noch Gras und Moos dran”, rief der gelbe Ritter. “Doch das kann nicht sein. Steine aus einem Berg reißen, das können nur…” Seine Stimme brach ab.

“Trolle!”, riefen die Ritter im Chor. Und tatsächlich. Sie schauten über die Burgmauern, und was sie sahen bestätigte ihre Befürchtungen. Auf dem Platz vor den Burgmauern waren sie versammelt: Gelbtrolle aus dem Schwarzmoor. Die gefürchtetste Art der Troll-Gattung. Direkt aus dem Schwarzmoor kommend, kennen Sie keine Furcht. Dies liegt auch an der unbändigen Kraft, die sie besitzen. Mit dieser können sie zum Beispiel mühelos Steine  aus Felsen herausreißen. Im ganzen Land waren die Gelbtrolle gefürchtet. Und nun waren sie hier. Im Mondlicht glänzte ihr gelbes Fell und die roten Augen blitzten kampfeslustig.

“Da schaut”, rief der gelbe Ritter. “Die Trolle laden ihre riesigen Katapulte mit diesen Höllensteinen!”. In diesem Moment krachte der nächste Stein in den Burgturm. Dieser wankte. Dann kam noch ein Stein. Mit einem lauten Krachen stürzte der Burgturm ein. Dann traf ein weiterer Stein die Burgmauern. Steine fielen aus dieser heraus.  “Die Trolle wollen unser rotes Schloss erobern”, rief der rote Ritter. “Wenn Sie so weiter feuern, dann wird nicht mehr viel zu erobern sein”, sagte der gelbe Ritter spöttisch. “Wir müssen schnell etwas tun, bevor unser Zuhause in Schutt und Asche liegt”, sagte der blaue Ritter gereizt.

Doch was sollten sie tun? Gegen so eine Übermacht konnten drei einzelne Ritter nichts ausrichten.  Sie dachten weiter nach, während die Steine um sie herum in die Mauern einschlugen. Dann lächelt der rote Ritter. “Ich habe eine Idee”, sagte er. “Welche?”, wollte der gelbe  und der blaue Ritter wissen. Doch der rote Ritter antwortete nicht. Stattdessen schnappte er sich ein gewaltiges Jagdhorn und lief die Treppen des zerschmetterten Turms hinauf. Von diesem waren nur noch die Stufen übriggeblieben. Diese führten am Ende ins Leere  und ein tiefer Abgrund tat sich dort auf. Am Ende der letzten Stufe holte der Ritter das Horn hervor und blies kräftig hinein.  Ein ohrenbetäubendes Geräusch hallte nun durch die Luft. Das Horn war so laut, dass auch die Trolle in diesem Moment von ihrem Angriff abließen und erstarrten.  Dann war Stille.

Nach ein paar Sekunden war im Himmel über dem Schloss  ein leises Surren zu hören. Dann eine Windbewegung. Und wieder das Surren. Die Trollte schauten verwirrt in die Luft. Was war das? Oder besser gefragt: Wer war das? Wieder hörten sie Geräusche in der Luft, doch nun war auch ein gewaltiges Flattergeräusch zu hören. Und dann ein dumpfer Schlag. Und noch einer. Das klang wie zwei mächtige Beine, die auf die Erde aufsetzten.

Dort, vor der Schlossmauer, war das nicht ein Schatten? Ja, ein gewaltiger sogar, fast so groß wie die Mauer selbst. Doch es war zu dunkel. Weder Ritter noch Troll konnten etwas sehen. Plötzlich durchzog ein gewaltiger Feuerstrahl den Nachthimmel, gefolgt von einem furchterregenden Fauchen. Das Feuer erleuchtete die Nacht und brachte das Geheimnis zum Vorschein: vor der Burgmauer stand der Schwarze Drache.

“Er ist gekommen”, freute sich der rote Ritter. “Er ist unserem Ruf gefolgt. Und er wird uns helfen. Weil wir ihm einstmalst geholfen haben, sein Drachenkind zu retten.” Ja tatsächlich, der Schwarze Drache war dem Ruf der Ritter gefolgt. Nun kämpfte er auf der Seite der Ritter.

Die Trolle jedoch ließen sich nur kurz beirren. Sogleich luden sie ihre Katapulte mit schweren Felsbrocken und zielten auf den Drachen. Die Felsbrocken trafen den Drachen – und prallten einfach ab. Die mächtige Drachenhaut war zu dick. Die Trolle grunzten verärgert und machten Zeichen. Sie wollten alle Felsbrocken gleichzeitig auf den Drachen abschießen. Dadurch erhofften sie sich, den Drachen umzuwerfen. Dann, so dachten sie, könnten sie den Drachen mit ihren Stöcken und Knüppeln besiegen.

Und so luden die Trolle ihre Katapulte mit Steinen. Auf das Kommando des Troll-Häuptlings flogen hunderte Felsbrocken auf einmal auf den Drachen zu. Doch dieser ließ sich von dem geballten Angriff nicht beirren. Er fauchte kampfeslustig und breitete nun seine mächtigen Flügel aus. Jeder von diesen war so groß wie die Segel eines Piratenschiffes. Kurz bevor die Felsbrocken einschlugen, klappte der Drache beide Flügel schnell nach vorne. Dadurch schlug der Drachen, wie bei einem Ballspiel, die Felsbrocken mit einem kräftigen Hieb zurück. Nun flogen die Steine zurück auf die Trolle zu.

Die zurückfliegenden Steine schlugen mit einem mächtigen Krachen in die Katapulte der Trolle. Sie zerstörten diese augenblicklich. Es splitterte Holz in alle Richtungen. Die Trolle duckten sich weg oder warfen sich auf den Boden. Nun waren alle Katapulte zerstört und die Trolle hatten nur noch ihre Handwaffen.

Doch nun folgte Schritt zwei des Drachenangriffs. Mit mächtigen, donnernden Schritte lief der Drache auf die Trolle zu. Er holte tief Luft und spie einen gewaltigen Feuerstrahl aus seinem Maul heraus. Dieser landete direkt vor den Füßen der Trolle. Eine Warnung war das. Der zweite Strahl  würde die Trolle treffen. Diese verstanden das und ließen als Zeichen ihres Ergebens ihre Waffen zu Boden fallen. Sie drehten sich eilig um liefen davon in die Nacht. Rückzug. Zurück ins Schwarzmoor. In wenigen Sekunden waren alle Trolle verschwunden, so als hätte sie es nie gegeben. Und es herrschte Stille.

“Danke für Deine Hilfe, Schwarzer Drache”, riefen die Ritter vom Schloss herab. Der Drache drehte sich zu ihnen um nickte mit seinem gewaltigen Kopf.  Dann dreht er sich um, breitete seine Flügel aus und hob ab. Mit gewaltigen Flügelschlägen flog er davon in Richtung des Mondes. Bald war nichts mehr zu sehen. Die drei Ritter standen stumm an der Felsmauer, schauten ihm still hinterher und waren in diesem Moment froh, dass sie einen so mächtigen Freund hatten.

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14.12.2016. Diese Geschichte habe ich für meine beiden Kinder als Gute-Nacht-Geschichte erdacht. Vielleicht findet auch der ein oder andere Ritter- und Drachenfreund daran gefallen. 🙂

Der Schwarze Drache und die Silberne Schlange (Eine Drachengeschichte, Teil 3)

3 thoughts on “Der Angriff der Gelbtrolle (Eine Drachengeschichte, Teil 2)

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